Ausstellungen


25. April bis 10. Mai 2002

Kloster Ebersberg

Prägekraft christlich-abendländischer Kultur
im Herzen Altbayerns

Im Jahre 934 wurde das Kloster Ebersberg als Kanonikerstift gegründet. Wenige Jahrzehnte später erfolgte seine Umwandlung in eine Benediktinerabtei. Nachdem die Benediktiner das Kloster durch mehrere Jahrhunderte mit wiederholten Zeiten der Hochblüte geführt hatten, kam es 1596 nach einer Phase des Niedergangs an die Jesuiten, die es mit neuem Leben erfüllten und ihm neuen Glanz verliehen.

Nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu 1773 unterstand das Kloster, das mit der vor Ort verwahrten Schädelreliquie des Märtyrers Sankt Sebastian als Wallfahrtsstätte überregionale Bedeutung erlangt hatte, für einige Jahre der staatlichen Verwaltung, ehe es 1781 den Maltesern übertragen wurde.

Mit der Auflösung dieses Ritterordens im Jahre 1808 fand schließlich auch das Kloster Ebersberg, das als größter Grundherr und geistig-geistliches Zentrum im Ebersberger Raum und darüber hinaus über Jahrhunderte eine Prägekraft christlich-abendländischer Kultur im Herzen Altbayerns gewesen war, sein Ende.

Im Verlauf seiner nahezu neunhundertjährigen wechselvollen Geschichte wurde das Kloster Ebersberg wiederholt, jedoch keineswegs oft in bildlichen Darstellungen festgehalten. Nicht einmal zwanzig zeitgenössische Abbildungen von ihm (Originale und deren Kopien) sind auf uns gekommen.

Jesuitenresidenz Ebersberg

Ostansicht der Jesuitenresidenz Ebersberg Ölgemälde auf Leinwand
91,5 x 76,6 cm; zwischen 1710 u. 1733

(Bayerisches Nationalmuseum, München)

 

 

Kloster Ebersberg

Westansicht des Klosters Ebersberg. Kolorierte Xylographie von Link im "Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1869", die der Ansicht der Ebersberger Jesuitenresidenz in dem 1690 erschienenen 2. Teil des von Anton Wilhelm Ertl herausgegebenen "Chur-Bayerischen Atlasses" nachempfunden ist.
11,2 x 7,9 cm, 1869

(Markus Krammer, Ebersberg)

 

 

Im 18. Jahrhundert fand die Jesuitenresidenz Ebersberg wiederholt bildliche Darstellung. Auffällig ist dabei, dass sich die Künstler jeweils für eine Ostansicht der Klosteranlage entschieden und diese offenbar nicht nach der unmittelbaren Realität wiedergaben, sondern – von geringfügigen Abweichungen und Variationen abgesehen – nach "Vorbildern" gestalteten, konkret nach einem von Anton Vicelli für die Ausstattung der zwischen 1668 und 1671 eingerichteten Sebastianskapelle geschaffenem Gemälde (um 1670), einer Federzeichnung Johannes Hörmanns (um 1670) und einem Kupferstich Michael Wenings (1701), wobei die beiden letztgenannten Abbildungen sich ihrerseits bereits an dem zuerst entstandenen, gemalten Bild orientiert hatten. Entsprechend dieser Darstellungstradition treffen wir auch in allen Ostansichten der Ebersberger Jesuitenniederlassung wirklichkeitswidrig auf die mächtige, von Jakob Balde (1604- 1668) noch besungene, jedoch dann 1671 einem Sturm zum Opfer gefallene Linde.


Das Kloster Ebersberg als ein Zentrum der Sebastiansverehrung

Im Auftrag der Ebersberger Grafen Eberhard und Adalbero brachte der Kanonikerpropst Hunfried im Jahre 931 von einer Romreise eine wertvolle Reliquie, namentlich die Hirnschale des Heiligen Sebastian mit, die in einer auf gräfliche Weisung hin in Ebersberg errichteten Kirche Verwahrung finden sollte.

Derart ausgestattet, wurde das 934 fertiggestellte Gotteshaus samt dem diesem angeschlossenen Stift / Kloster bald schon zu einem bedeutenden Zentrum der Verehrung des Märtyrers.

Der Sebastianskult, der sich unter anderem im Aufblühen einer regen Wallfahrts-bewegung und der Gründung einer eigenen Bruderschaft manifestierte, bildet auch den Gegenstand eines Freskenzyklus, den die Ebersberger Jesuiten um 1730 – möglicher-weise aus Anlass des 800-jährigen Jubiläums – von einem heute unbekannten Maler an den Wänden ihrer Kirche anbringen ließen.

 

 

Barockfresko

Barockfresko im Presbyterium der Ebersberger Kirche Sankt Sebastian
um 1730

(Michael Baier, Vaterstetten)

 


Stifterhochgrab

Relief der Deckplatte des aus Adneter Rotmarmor gearbeiteten Stifter-hochgrabes
316 x 161 x 40 cm; 1500

(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München)

Modell der „Ebersberger“ Klosterkirche
(zur Abb. links)

In dankbarer Erinnerung an den Grafen Ulrich von Ebersberg († 1029) und dessen Gemahlin Richardis († 1013), die die Benediktinerabtei Ebersberg gründeten, ließ Abt Sebastian Häfele (1472-1500) Ende des 15. Jahrhunderts von dem Wasserburger Bildhauer Wolfgang Leb ein Stiftergrabmal anfertigen.

 

  Das Relief der Deckplatte der Tumba zeigt unter anderem das Gründerehepaar, das in den Händen das phantasievolle Modell der zweitürmigen und dreischiffigen "Ebersberger" Klosterkirche zeigt. Tatsächlich nämlich ist das dargestellte Gotteshaus mit demjenigen identisch, das sich auf dem ebenfalls auf den Meister aus Wasserburg zurückgehenden Stifterhochgrab von Attel findet.

Illuminierte Musikhandschriften aus dem Kloster Ebersberg

Initiale mit St. Sebastian

Initiale mit dem Märtyrer Sankt Sebastian in einem um 1458 entstandenen Graduale de sanctis des Klosters Ebersberg.

(Bayerische Staatsbiblio-thek, München)

Aus dem Bestand der Ebersberger Klosterbibliothek haben sich unter anderem sieben kostbar illuminierte Musikhandschriften erhalten. Diese Kodizes, bei denen es sich um vier Antiphonarien, zwei Gradualien und ein Psalterium handelt, entstanden unter der Regierung der Äbte Eckhard (1446-1472) und Sebastian (1472-1500). Der Grund für die Herstellung eines komplett neu geschriebenen Satzes an Handschriften für die liturgischen Gesänge ist in der in Ebersberg ab Mitte des 15. Jahrhunderts umgesetzten Melker Reform zu sehen.

Als Hauptschreiber der Choralbücher, die in der damals zeitgemäßen Notation, das heißt mit auf Linien gesetzten Noten abgefasst wurden, tritt uns der langjährige Ebersberger Mönch Maurus entgegen. Namentlich unbekannt ist dagegen bislang der Schöpfer des reichen Buchschmucks, der Maler der die Werke auszeichnenden erzählenden Initialen sowie des seitenumlaufenden Rankenwerkes. Immerhin aber bieten die Malereien Anhaltspunkte, die auf einen Augsburger Miniator schließen lassen.

In den sieben aufwändig und prächtig gearbeiteten Ebersberger Musikhandschriften des ausgehenden Mittelalters, die heute in der Bayerischen Staatsbibliothek und in der Bibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität in München verwahrt werden, manifestiert sich indes nicht nur die religiöse Neuorientierung und die erreichte Stufe künstlerischen Schaffens jener Zeit, sondern fraglos auch die wirtschaftliche und kulturelle Hochblüte, die das Kloster Ebersberg in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte.

 

 

 

Initiale mit Christuskind

Initiale mit dem Christuskind in einem um 1453 entstandenen Antiphonarium de tempore des Klosters Ebersberg.

(Bibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München /
Brigitte Schliewen, Vaterstetten)


Karte des Weinerus

Detail aus einem kolorierten Kupferstich der 18. Landtafel des Peter Weinerus
43 x 32,7 cm; 1579
(Bayerisches Landesvermessungsamt, München)
 

Das Kloster Ebersberg in der Karte des Weinerus

Karte des Weinerus, Ausschnitt

Ausschnitt der Abb. rechts



Im Jahre 1577 erhielt der Kupfer-stecher, Stempel- und Siegelschneider Peter Weinerus († 1583) von Herzog Albrecht V. den Auftrag, eine in Kupfer gestochene Neuausgabe der 24 Landtafeln Philipp Apians vorzubereiten.

Auf der 18. Landtafel der 1579 als Karte von Ober- und Niederbayern vorgelegten Arbeit findet sich Ebersberg in einer mit der Darstellung im vorangegangenen Kartenwerk nahezu identischen Abbildung. Wiederum beherrscht die Kirche Sankt Sebastian die Ansicht des Ortes und einmal mehr gibt ein Abtstab den Hinweis auf die Benediktinerabtei Ebersberg. Wie bei Apian so markiert auch bei Weinerus der Turm der Pfarrkirche Sankt Valentin den linken Ortsrand.