Ausstellungen


August bis Dezember 2001

Angekommen – Angenommen?!


Mit dem Ausgang des von Adolf Hitler und seinen Paladinen 1939 vom Zaun gebrochenen 2. Weltkrieges strömten zwischen 1944/45 und 1950 etwa 12 Millionen Deutsche als Flüchtlinge und Vertriebene aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in Ost-, Mittel- und Südosteuropa in das in Folge des verlorenen militärischen Ringens ausgeblutet darniederliegende Restdeutschland.

Von diesen heimatlos gewordenen Menschen gelangten nahezu 2 Millionen nach Bayern und hier wiederum rund Tausend in den Landkreis Ebersberg.

Fluchtgepäck

Flucht- und Vertreibungsgepäck


Unter anderem:

  • Holzkiste, deren gewölbter Deckel vor der Ausweisung zum besseren Stapeln mit Holzleisten versehen wurde (Museum der Stadt Grafing)
  • Stark strapazierter Leiterwagen (Wilfried Ressel, Grafing)
  • Korb mit aufgenähten Stoffstreifen, auf denen in deutscher und tschechischer Schreibung die Heimatadresse angegeben ist (Museum der Stadt Grafing)
  • Marienbildnis in einst populärem Farbdruck als Teil des 50-Kilo-Vertreibungsgepäcks (Museum der Stadt Grafing)
  • Kinderwagen, wie er häufig vollbepackt mit Kind / Kindern oder Hausrat auf die Flucht respektive Vertreibung mitgenommen wurde (Museum der Stadt Grafing)
  • Kartoffelsack, wie er oft zum Transport von Bettwäsche und Kleidung Verwendung fand (Museum der Stadt Grafing)


 

Ankunft Vertriebener in Deutschland

Ankunft vertriebener sudetendeutscher Frauen und Kinder im Restdeutschland des Jahres 1945
(Sudetendeutsches Archiv, München)

 

 

 

 

 

 

Fluchtgepäck

Fluchtgepäck der Gertrud Seidelmann

Rucksack, in dem Gertrud Seidelmann aus Landskron im Schönhengstgau in Nordböhmen bei ihrer Flucht mit ihrem Säugling im Sommer 1945 über Wien nach Bayern das ihr Bedeutsamste mitführte. Zu ihrem Gepäck gehörten unter anderem zwei wertvolle Stofftücher sowie ein Haussegen (Dr. Wilfried Seidelmann, Ebersberg)

Die sich daraus für das Kreisgebiet ergebende Krisensituation galt es seitens des Landratsamtes und der Gemeindeverwaltungen in Abstimmung mit der örtlichen amerikanischen Militärregierung und im Zusammenspiel mit verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen zu meistern: Für die Neuankömmlinge musste die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung gesichert und die Unterbringung organisiert werden.

 

Lager Wagenreich bei EmmeringLager Wagenreich bei Emmering
Im vormaligen Reichsarbeitsdienstlager in Wagenreith fanden zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene, die in den Landkreis Ebersberg gekommen waren, ihre erste Unterbringung
(Foto: Pankraz Spötzl, Emmering)

 

Leonhardifahrt 1949

Bereits 1949 beteiligte sich die Landsmannschaft Schlesien, Ortsverband Grafing, mit "Rübezahl und seinen Zwergen" aus der schlesischen Märchenwelt an der traditionsreichen Grafinger Leonhardifahrt, die damals ihr 250. Jubiläum feierte (Käthe Nather, Grafing)

 

Bald jedoch schon begannen die Flüchtlinge und Vertriebenen im Landkreis ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Sie wählten aus ihrer Mitte Vertreter ihrer Belange in die Kommunalparlamente sowie in den Kreistag.

Nach ersten Jahren, in denen sich Einheimische und Neubürger in einem emotionsreichen und von vielen Schwierigkeiten gezeichneten Entwicklungsprozess aneinander gewöhnt und die für beide Seiten gleichermaßen gegebenen Hauptprobleme der Nachkriegszeit gelöst hatten, trat eine allmähliche Normalisierung des Lebens ein: Die Flüchtlinge und Vertriebenen wurden in ihrer neuen Umgebung endgültig sesshaft, gliederten sich in den Arbeitsprozess ein oder schufen selbst neue Betriebe.

Um in der neuen Gesellschaft in ihrem Selbstverständnis angemessen auftreten und bestehen zu können, gingen Flüchtlinge und Vertriebene schon frühzeitig daran, sich gesellschaftlich zu organisieren und getragen vom Gedanken der inneren Solidarität einer Schicksalsgemeinschaft in Vereinigungen zusammenzuschließen.

In Anerkennung der jeweiligen Eigenheiten des Anderen kam es schließlich auf den verschiedensten Ebenen zu einem allmählichen gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenwachsen von Einheimischen und Neubürgern.